Blech-Blog

Aufgeblättert

Neben einigen (teils wie gewohnt satirischen) Kommentaren zu aktuellen Pressemeldungen geht es diesmal insbesondere auch um die Entwicklungen in der katholischen Kirche.

Im Herbst, wenn der Sturm nicht nur in den Gläsern zu finden ist, sondern auch durch die Baumkronen weht und die bunt verfärbten Blätter zu Boden fallen, lehne ich mich gerne in Ruhe auf meinem Sofa zurück, um verschiedener Zeitungen und Magazine durchzublättern bzw. zu lesen. Dabei fallen mir dann mitunter kritische Artikel auf, in denen z.B. der eine oder andere Politiker bzw. Unternehmer wegen irgendeines Vergehens „aufgeblattelt“ wird. Auch in diversen anderen Medien wie z.B. in Pfarrblättern finde ich manchmal bemerkenswerte Beiträge, von denen mich manche zu den nachstehenden Kurzberichten inspiriert haben.Blätter
HerbstblattAbserviert
Ende September wurde in der Freien Bühne Wieden – also in Buden-Nähe – das Stück „Abserviert“ aufgeführt, welches von einem ehemaligen Wiener Vize-Bürgermeister und Kartellbruder aus dem ÖCV geschrieben wurde. Laut einem Zeitungsbericht soll darin angeblich der Satz „Bei keiner Gelegenheit wird so viel gelogen wie bei einer Laudatio“ vorkommen. Welch wahre Aussage, aber Achtung! Wenn man diese Meinung berechtigterweise in einem konkreten Fall äußert, kann es leicht passieren, dass man abserviert wird!

Freundschaft!
Es ist eine bekannte Tatsache, dass dieser bei den Linken beliebte Gruß nicht immer von allen wörtlich genommen wird bzw. wurde. Schon des Öfteren haben Rote aus den Bundesländern die Pfeile aus dem Köcher des alten Parteilogos gezogen, um ihre eigenen Häuptlinge (oder die vormalige Medizinfrau) abzuschießen. In letzter Zeit wurden die eigenen Regierungsmitglieder des Öfteren mit spitzen Wortgeschoßen aus der Deckung des pannonischen Schilfgürtels angegriffen. Aber auch im den Tiroler Bergen wurde offenbar das Kriegsbeil ausgegraben. Der ehemalige Landeshäuptling war schon länger für seinen lockeren Umgang mit Waffen und für seine offenbare Freundschaft mit einem mutmaßlichen Betrüger bekannt. (Anm.: Es gilt die Unschuldsvermutung, aber man muss bei der Wahl seiner reichen Freunde eben sehr aufpassen.) Abserviert und aus der Partei ausgeschlossen wurde er aber, weil er auf die Prinzipien (!) seiner Organisation gepocht hat, welche wegen der Koalition aufgeweicht wurden.

Da lobe ich mir doch unseren Begriff „Bundesbrüderlichkeit“. Er deutet darauf hin, dass man sich eben nicht alle Geschwister aussuchen kann. Und wozu manche Brüder aus Neid fähig sind, wenn deren Leistung kritisch betrachtet wird, kann man schon in der Bibel im ersten Buch Mose nachlesen.

Segensreich
Es kommt sicher nicht oft vor, dass ein großes Foto einer Couleurhochzeit in einer Tageszeitung veröffentlicht wird. Das Bild das Anfang Oktober gezeigt wurde, war schon 60 Jahre alt. Der Anlass dafür war nicht nur die Diamantene Hochzeit des Jubelpaares – obwohl eine so lange Ehe in der heutigen Zeit durchaus Grund genug für einen Artikel wäre – sondern es ging um die erste ökumenische Trauung in Österreich. Dem Brautpaar hat der doppelte Segen von einem katholischen Dechant und einem evangelischen Geistlichen ganz offensichtlich nicht geschadet. Der evangelische Pfarrer wurde hingegen seines Amtes enthoben und war danach unter anderem Landtagsabgeordneter in Niederösterreich. Ob der Bräutigam den Treueschwur gegenüber seiner Verbindung ebenso gehalten hat, wie den zu seiner Gattin, ist allerdings unklar, da ich seinen Namen weder im Gesamtverzeichnis des MKV oder der KÖL, noch des ÖCV finden konnte.

Bestellt und „abgesegnet“
Seit mittlerweile fast neun Monaten wartete man in der Erzdiözese Wien auf einen Nachfolger für den im Jänner mit 80 Jahren planmäßig zurückgetretenen Erzbischof Bb Christoph Kardinal Schönborn (St). Obwohl der Termin von dessen Amtsniederlegung schon jahrelang bekannt war und sowohl der mittlerweile verstorbene Papst Franziskus, als auch sein Nachfolger Papst Leo XIV. in der Zeit der Sedisvakanz etliche Bischöfe ernannt haben, ließ die Bestellung eines neuen Erzbischofs für Wien lange auf sich warten, was möglicherweise auch mit dem anfänglichen Zögern des Erwählten zusammenhing. Nun wurde der Kandidat für dieses hohe Kirchenamt vom österreichischen Ministerrat „abgesegnet“, was mich in zweifacher Hinsicht überrascht hat. Erstens war mir bislang nicht bewusst, dass die Ernennung eines Erzbischofs aufgrund eines im Jahr 1933 mit dem Heiligen Stuhl geschlossenen Konkordats der Zustimmung der österreichischen Bundesregierung bedarf. Es gab es in den letzten 70 Jahren in der Erzdiözese Wien nur drei Erzbischöfe und zwar Kardinal König (von 1956 bis 1986), Kardinal Groer (von 1986 bis 1995) und eben Kardinal Schönborn (von 1995 bis 2025), dessen Bestellung ich vor 30 Jahren zugegebenermaßen nicht so aufmerksam verfolgt habe wie die jetzige. Die zweite Überraschung betraf die Wortwahl, bei der sich die Printmedien, ebenso wie Rundfunk und Fernsehen offenbar einig waren: Überall war zu lesen bzw. zu hören, dass der Kandidat für dieses Amt vom Ministerrat „abgesegnet“ wurde. Erst danach konnte er vom Vatikan offiziell als Erzbischof „bestellt“ werden, wobei allerdings auch noch die bislang fehlende Bischofsweihe nachgeholt werden muss. Ich wundere mich jedenfalls, dass unsere Regierung anscheinend auch für das „Segnen“ zuständig ist und wünsche Bischofsvikar Kb Josef Grünwidl (SOP) stattdessen Gottes Segen für dieses, in der heutigen Zeit sicherlich besonders herausfordernde Amt.

Not + Kirche
In Zeiten von Krisen und Not suchen und finden die Menschen sehr oft Halt im Glauben. Umgekehrt verlieren viele, die im Wohlstand leben, den Bezug zu Gott und der Kirche. Daher ist es wenig verwunderlich, dass die Anzahl der Gläubigen bei uns und in vielen anderen Teilen der westlichen Welt in den letzten knapp einhundert Jahren stetig zurückgegangen ist. Vor noch etwas längerer Zeit, gegen Ende des 19. Jahrhunderts, war Wien eine stark wachsende Stadt, die mit rund zwei Millionen ähnlich viele Einwohner hatte wie jetzt. Daher wurde damals das Stadtgebiet, das bis dahin im Wesentlichen nur aus den Bezirken innerhalb des Gürtels bestand, beginnend ab 1890 durch die Eingemeindung der Vororte vergrößert, wodurch die Bezirke vom 11. (Simmering) bis zum 19. (Döbling) entstanden. Der 10. Bezirk, Favoriten, hatte schon vorher existiert, wurde aber nach Süden bis zur Vororte-Linie erweitert. Ab 1904 kamen auch noch große Teile des heutigen Stadtgebiets nördlich der Donau dazu.

Durch das Anwachsen der Großstadt standen der Bevölkerung in den kirchenarmen – da früher nur dünn besiedelten – Außenbezirken in der Zeit des ersten Weltkriegs nicht ausreichend Gotteshäuser zur Verfügung. „Dieser Kirchennot soll nun auch in etwa die Friedenskirche abhelfen, deren Erbauung wir mit unserem geliebten Kaiserpaar im Vorjahre feierlich gelobten“ schrieb Fürsterzbischof Kardinal Piffl im Juli 1918 in der Katholischen Monatsschrift „Sankt Bonifatius“. Tatsächlich errichtet wurde die hölzerne Notkirche „Zur Königin des Friedens“ erst nach Kriegsende und eingeweiht wurde sie im Jahr 1922, dem Todesjahr von Kaiser Karl. Erst einige Zeit danach wurde der Grundstein für den modernen Kirchenbau in der Quellenstraße gelegt, der vor 90 Jahren von Kardinal Innitzer eingeweiht und zur Pfarre erhoben wurde. Betreut wurde diese Pfarre von Anfang an von der Gesellschaft der Pallottiner, der auch der ehemalige Dechant von Favoriten wld. Bb KR Mag. P. Edward Daniel vlg. Angelus angehörte, der von 1987 bis 2012 Pfarrer der Gemeinde „Königin des Friedens“ und von 1989 bis zu seinem Ableben im April 2021 Mitglied und Verbindungs-Seelsorger der K.Ö.L. Carolina war.

Königin des Friedens

Zum Heiligen Kreuz
Die Kirchen „Königin des Friedens“ (oben) und „Zum Heiligen Kreuz“

Eine der weiteren Notkirchen in Favoriten wurde im Jahr 1924 am Laaerberg errichtet und vor 100 Jahren eingeweiht. Die hölzerne Baracke, die als Gotteshaus und Theatersaal diente, wurde im zweiten Weltkrieg zerstört und danach eine neue Behelfskirche errichtet, die im Jahr 1965 durch die dritte Notkirche ersetzt wurde. Erst im Jahr 1984 fand die Grundsteinlegung zur heutigen Kirche „Zum Heiligen Kreuz“ statt, welche 1986 eingeweiht wurde. Während also in den letzten rund 100 Jahren – wie die obigen Beispiele zeigen – zahlreiche Notkirchen entstanden, welche danach noch bis vor einigen Jahrzehnten durch Massivbauten ersetzt wurden, hat sich die Lage in den letzten vier Jahrzehnten stark verändert. Obwohl viele Gemeinden zu Pfarrverbänden oder neuen „Großpfarren“ zusammengelegt wurden, ist die Anzahl der katholischen Einwohner in deren Einzugsgebiet infolge der demographischen Entwicklung, durch Kirchenaustritte und wegen der Zuwanderung von Angehörigen anderer Religionsgemeinschaften dramatisch gesunken. Die Friedenskirche, welche einst die größte Wiener Pfarre gewesen sein soll, wurde mit den drei Nachbargemeinden vereint und dennoch hat die Pfarre „Zur göttlichen Barmherzigkeit“ heute grob geschätzt nur mehr rund ein Zehntel der früheren Mitglieder. Nach der Zusammenlegung von unserer Heimatpfarre „St.Thekla“ mit den Nachbargemeinden „St. Florian“, „St. Elisabeth“ und der „Paulanerkirche“ (welche vor etwa 50 Jahren vom ehemaligen Verbindungs-Seelsorger der K.Ö.M.L. Tegetthoff, wld. Bb Pfarrer KR Josef Franzl vlg. (Dr.cer.) Bimbo geleitet wurde) ist jetzt die Pfarre „Zur Frohen Botschaft“ mit etwa 13.700 Katholiken die größte Pfarre der Erzdiözese. Viele Gotteshäuser stehen leer oder werden kaum mehr besucht. Manche müssen sogar verkauft werden. Es scheint, dass die katholische Kirche selbst in Not geraten ist …

 DDr.cer. Raffael

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