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Blech-Blog 2, 17.1.2024

Schnee von gestern

Vor hundert Jahren fanden die ersten Olympischen Winterspiele statt. Auch Tegetthoff hatte früher viele sportliche Aktivitäten, darunter auch Skifahren, im Programm.

Skirennen
TEW-Skirennen 1977

Bei der Gründung der Olympischen Spiele der Neuzeit, welche erstmals 1896 in Athen stattfanden, orientierte man sich am Vorbild der antiken Wettkämpfe, weshalb diese nur im Sommer ausgetragen wurden. Doch schon nach wenigen Jahren wurden Eiskunstlaufen und später auch Eishockey ins Programm der Sommerspiele aufgenommen. Gegen gesonderte Winterspiele sprachen sich anfangs vor allem die Skandinavier aus, weil diese eigene „Nordische Spiele“ organisierten. Daher wurde im Jänner/Februar 1924 in Chamonix nur eine „Internationale Wintersportwoche“ veranstaltet, welche erst nachträglich vom Olympischen Komitee als „erste Olympische Winterspiele“ deklariert wurde. Seither finden diese wie die Sommerspiele alle vier Jahre statt, wobei 1994 damit begonnen wurde die Winterspiele immer im zweijährigen Abstand zwischen den Sommerspielen abzuhalten. Zweimal wurden die Olympischen Winterspiele in Österreich ausgetragen und zwar 1964 und 1976, beide Male in Innsbruck. 1964 errang Österreich insgesamt zwölf Medaillen, 1976 hingegen nur sechs, darunter zwei Goldene: Das Skispringen auf der Großschanze gewann Karl Schnabl und der Sieg in der alpinen Abfahrt der Herren ging an Franz Klammer, der vor kurzem seinen 70. Geburtstag feierte.

Vielleicht hat die allgemeine Euphorie über diesen Sieg dazu beigetragen, dass in der folgenden Olympiade – richtig, gemeint ist der vierjährige Zeitraum zwischen den Spielen 1976 in Innsbruck und 1980 in Lake Placid –  viermal TEW-Skiwochenenden in Mönichkirchen stattfanden. Den größten Erfolg hatte das erste Skiwochenende im Februar 1977, welches gemeinsam mit unserer Freundschaftsverbindung, e.v. K.Ö.M.L. Alpinia-Styria Graz, veranstaltet wurde. Wie aus unseren Archiven hervorgeht, haben daran unerwarteter Weise insgesamt rund 60 Personen teilgenommen, von denen sich die Hälfte auch aktiv an den beiden Skirennen beteiligte. Gefahren wurden ein Riesentorlauf und ein Paarlauf, bei dem die Zeiten der beiden zusammengelosten Skifahrer addiert wurden. Sportlich dominierte ein damaliger Fuchs aus dem BG XV, dessen Karriere bei TEW aber leider nur von relativ kurzer Dauer war. Der gesellschaftliche Höhepunkt des ersten Skitages war die Kneipe am Samstagabend, bei welcher der Autor dieser Zeilen, als damaliger Tegetthoff-Senior, mit dem Senior Alpinia-Styrias einen Seniorats-Bierzipf tauschte, der die Freundschaft der beiden Korporationen symbolisieren und vertiefen sollte. Leider ist dieser Senioratszipf irgendwann nach 1987 von einem der Amtsträger nicht weitergegeben worden und daher nicht mehr auffindbar. Sollte sich ein früherer Senior dank dieser Zeilen daran erinnern, wann oder wem er ihn übergeben hat oder den Zipf gar irgendwo in seinem Fundus finden, wäre der AH-ChC für sachdienliche Hinweise oder die Retournierung dieses wertvollen Erinnerungsstückes dankbar.

Zipftausch
Seniorats-Bierzipf-Tausch 1977

Das TEW-Skiwochenende im Jänner 1978 stellte den Höhepunkt meiner persönlichen Skikarriere dar. An den Rennen haben insgesamt 26 Skiläufer und -läuferinnen teilgenommen und ich konnte eine Bronzemedaille (siehe unten) erringen!  Da ich als Wiener das Skifahren nicht als Kind, sondern erst ab ca. 14 Jahren und nur bei den jährlichen Schulskikursen erlernt hatte, freute ich mich über diesen uner­warteten „Erfolg“, der nur möglich war, weil das Rennen in vier Klassen (Jugend, Alter, Allgemein und Damen) ausgetragen wurde und in der allgemeinen Klasse der Erwachsenen bis 30 Jahre nur vier Teilnehmer angetreten waren. Sieger war Bb Kipferl, bei den Senioren gewann unser Tiroler AH Wolf und bei der Jugend konnte der Vorjahressieger seinen Titel verteidigen. Von den TEW-Skiwochenenden 1979 und 1980 sind keine ausführlichen Berichte überliefert, aber vermutlich war es in einem dieser beiden Jahre, als Bb N.N. (der Name ist der Redaktion bekannt, wird aber aus Gründen der Diskretion nicht genannt), der sich mit Hemd und Krawatte unter Pullover und Parka sowie mit Pfeife im Mund von einer Spitzkehre zur nächsten die blaue Piste hinunterhangelte, von einer Hüttenwirtin erfuhr, dass man über 1.000 m Seehöhe keine Krawatte trägt. Sie schnitt ihm das gute Stück kurzerhand ab und nagelte es zu ihren anderen Trophäen an die Hüttenwand.

Medaillie
Medaillie
WMMSK-Logo
WMMSK-Logo

Ganz andere Trophäen eroberten Tegetthoffer im Jahr 1979 bei den WStV-Skimeisterschaften, welche von TEW dominiert wurden: Einige Bundesbrüder sind in drei von fünf Klassen angetreten und haben acht von neun möglichen, der insgesamt fünfzehn Medaillen sowie drei der fünf Pokale gewonnen! Sieger der Altersklasse war AH Bergschratt, alle Plätze bei der Jugend wurden von ehemaligen Aktiven belegt, die uns später verlassen haben bzw. mussten.

Neben den Skitagen Tegetthoffs gab es zu dieser Zeit auch einen von Mitgliedern des WStV gegründeten Wiener Mittelschüler und Maturanten Skiklub (kurz: WMMSK), an dessen Skiwochen ich in den Jahren 1978 bis 1980 gemeinsam mit einigen anderen Tegetthoffern teilnahm. Im ersten Jahr fuhren wir nach Mallnitz und in den beiden anderen Jahren nach Fügen im Zillertal. Darüber verfasste ich auch jeweils einen unterhaltsamen Bericht im Stile einer Bierzeitung, die zuerst in Tegetthoffs Bord-Journal und danach sogar in Form der eigens herausgegeben „Pisten-TIMES des WMMSK“, dessen Logo (siehe oben) ich gestalten durfte, veröffentlicht wurden. 1979 erschien ein phantastisch-realistisches Märchen mit dem Titel „Das Beste vom Ziller Talfest oder Der schöne Ritter Wolfgang auf Kreuzzug.“ Im Jahr 1980  lautete die Überschrift „Der Treck zog westwärts, Ausschnitte aus dem Tagebuch von Raffalo Bill“.

Ob es in den Folgejahren noch weitere Aktivitäten des WMMSK gab, an denen ich nicht teilnahm ist mir nicht erinnerlich und auch die TEW-Skiwochenenden fanden 1980 für längere Zeit zum letzten Mal statt. Meines Wissens wurde diese Aktivität erst 1992 durch den damaligen Aktiven-Senior Amadeus mit einem Skitag in Lackenhof am Ötscher wiederbelebt und im Jahr 1993 und den Folgejahren mit Skiwochenenden in Mitterbach am Erlaufsee fortgesetzt. Leider waren die Veranstaltungsrückblicke im Bord-Journal in diesen Jahren nicht besonders ausführlich, aber wie daraus hervorgeht, haben damals neben Tegetthoffern auch Carolinen und einige andere Kartellbrüder sowie Vertreterinnen der Babenberg Klosterneuburg, der Prima Vindobonensis sowie der Elisabethina teilgenommen. Diese Veranstaltungen waren offenbar recht erfolgreich, aber dennoch dürfte 1996 leider das letzte TEW-Skiwochenende stattgefunden haben. Gerne denke ich an diese schönen gemeinsamen, sportlichen Aktivitäten im Freien, als Abwechslung zu den üblichen Veranstaltungen auf der damals noch sehr stark verrauchten Bude, zurück. Da ich seit einigen Jahren wegen diverser Wehwehchen nicht mehr auf den Bretteln gestanden bin, vermisse ich das tolle Panorama von verschneiten Bergen an sonnigen Wintertagen mit frischem Neuschnee und das Fahren auf gut präparierten Pisten. Allen, denen demnächst ein Skiurlaub oder Skiausflug bevorsteht wünsche ich Hals und Beinbruch und ein kräftiges „Ski Heil“!

Text und Bilder: DDr.cer. Raffael

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